IMAGO: Ein Tisch ist ein Tisch
Ausgehend von der Frage, wie man visuelle Bilderkennungsalgorithmen untergraben kann, entwickelte sich eine Auseinandersetzung mit der Wahrnehmung von Bildern und Objekten und mit den Begriffen, unter denen wir sie fassen. Maschinelles Sehen unterscheidet sich grundlegend von menschlichem Sehen und was als profound und selbst-evidente erkentnisse scheint, bietet eine spannende Grundlage grenzgänglicher Bildentwicklungen an. Was für das menschliche Auge selbstverständlich ist, etwa einen Tisch als Tisch zu erkennen, beruht für die Maschine auf Kategorien und Wahrscheinlichkeiten. Experimente mit verrauschten Abbildungen führten zu Fehldeutungen und Halluzinationen: Wo Menschen einen Teppich sahen, erkannte ein KI-Modell ein Magic-Eye-Bild mit einer angeblich verborgenen Botschaft. So stieß ich auf das Autostereogramm als Bildform. Es besteht aus sich wiederholenden Mustern, in denen sich ein dreidimensionales Objekt verbirgt, das erst durch eine veränderte Blickeinstellung hervortritt. Bilderkennungsalgorithmen bleiben an der flachen Pixelmatrix haften. Das Ergebnis dieser Auseinandersetzung ist eine künstlerische Arbeit über zwei Gegenstände meines ehemaligen Wohnzimmers: meinen Esstisch und meinen Teppich. Sowohl in ihrer Entstehung als auch in ihrer Rezeption rückt sie das Sehen und Erkennen in den Vordergrund und fragt, was menschliche Wahrnehmung grundlegend von maschineller unterscheidet. In kaum einer anderen Zeit war das Misstrauen gegenüber dem, was wir sehen, so groß wie heute. Wie beim Schiff des Theseus, das Planke um Planke erneuert und aus den alten Teilen ein zweites Mal gebaut wurde, stehen wir vor zwei Formen, die einander gleichen und nicht-gleichen.